Veröffentlicht von  Sylvain Hoffner  - Veröffentlicht am  

Deckt eine internationale Krankenversicherung Vorerkrankungen ab?

Wer ins Ausland zieht, stellt sich häufig die Frage: Deckt eine internationale Krankenversicherung Vorerkrankungen ab?

internationale Krankenversicherung Vorerkrankungen

Die wichtigsten Informationen 

  • Eine Vorerkrankung ist eine Krankheit, Verletzung oder ein Symptom, das bereits vor Versicherungsbeginn bestand.

  • Je nach medizinischer Prüfung kann sie mitversichert, ausgeschlossen, mit Zuschlag akzeptiert oder abgelehnt werden.

  • Eine vollständige Gesundheitsprüfung hilft, spätere Leistungsausschlüsse oder Erstattungsprobleme zu vermeiden.

Die Antwort hängt von mehreren Faktoren ab: dem Gesundheitszustand der versicherten Person, der Art der Vorerkrankung, dem gewählten Tarif, dem Aufenthaltsland und den Annahmerichtlinien des Versicherers.

In manchen Fällen kann eine Vorerkrankung vollständig mitversichert werden. In anderen Fällen kann sie ausgeschlossen, mit einem Beitragszuschlag versehen oder erst nach einer medizinischen Prüfung akzeptiert werden. Deshalb ist es entscheidend, medizinische Vorgeschichten bei Abschluss einer internationalen Krankenversicherung oder Auslandskrankenversicherung vollständig und wahrheitsgemäß anzugeben.

Was gilt als Vorerkrankung?

Als Vorerkrankung gilt in der Regel jede Krankheit, Verletzung, Beschwerde oder jedes Symptom, das bereits vor Beginn des Versicherungsvertrags bestand. Dabei spielt es nicht immer eine Rolle, ob die Erkrankung aktuell behandelt wird oder nicht.

Eine Vorerkrankung kann zum Beispiel eine chronische Krankheit, eine frühere Operation, eine Sportverletzung, Diabetes, Asthma, Bluthochdruck, eine Herzerkrankung, Krebs in Remission, eine psychische Erkrankung oder wiederkehrende Rückenbeschwerden sein.

Auch wenn die Beschwerden seit einiger Zeit stabil sind oder keine regelmäßige Behandlung mehr erfolgt, kann der Versicherer sie als Vorerkrankung einstufen, wenn sie vor Vertragsbeginn bekannt war oder Symptome bereits bestanden.

Warum sind Vorerkrankungen bei einer Auslandskrankenversicherung wichtig?

Bei einer Auslandskrankenversicherung prüft der Versicherer, welches medizinische Risiko mit dem Antrag verbunden ist. Das ist besonders wichtig, wenn Versicherte im Ausland leben, arbeiten oder studieren, da die Gesundheitskosten je nach Land stark variieren können.

Eine geplante Behandlung, regelmäßige Facharzttermine, eine chronische Erkrankung oder ein erhöhtes Risiko für Krankenhausaufenthalte können die Kosten deutlich beeinflussen. Deshalb analysiert der Versicherer medizinische Angaben, um festzulegen, ob und zu welchen Bedingungen Versicherungsschutz angeboten werden kann.

Dieser Prozess wird häufig als medizinische Risikoprüfung oder Underwriting bezeichnet.

Wie erkennt der Versicherer eine Vorerkrankung?

Bei der Beantragung einer internationalen Krankenversicherung kann ein medizinischer Fragebogen erforderlich sein. Darin werden in der Regel frühere Diagnosen, laufende Behandlungen, Operationen, Krankenhausaufenthalte, Medikamente, Symptome und chronische Erkrankungen abgefragt.

Je nach Versicherer und Tarif kann sich der abgefragte Zeitraum unterscheiden. Manche Fragebögen beziehen sich auf die letzten fünf Jahre, andere verlangen umfassendere Angaben zur medizinischen Vorgeschichte.

Bei Unsicherheiten ist es immer besser, eine Information anzugeben, statt sie wegzulassen. Eine unvollständige oder fehlerhafte Gesundheitserklärung kann später zu Problemen bei der Erstattung führen.

Kann eine internationale Krankenversicherung Vorerkrankungen abdecken?

Ja, eine internationale Krankenversicherung kann Vorerkrankungen unter bestimmten Voraussetzungen abdecken. Eine automatische Deckung besteht jedoch nicht immer. In der Praxis sind mehrere Szenarien möglich.

1. Die Vorerkrankung wird ohne Einschränkung akzeptiert

Bei leichten, ausgeheilten oder medizinisch unkritischen Vorerkrankungen kann der Versicherer entscheiden, die Person ohne Einschränkung zu versichern. In diesem Fall gelten die normalen Vertragsbedingungen.

Das kann zum Beispiel bei einer vollständig verheilten Verletzung, einer früheren Infektion oder einer abgeschlossenen Behandlung ohne relevantes Rückfallrisiko der Fall sein.

2. Die Vorerkrankung wird mit Beitragszuschlag versichert

Wenn eine Vorerkrankung ein moderates Risiko darstellt, kann der Versicherer sie mit einem Beitragszuschlag akzeptieren. Das bedeutet, dass die Erkrankung grundsätzlich mitversichert ist, der Beitrag jedoch höher ausfallen kann.

Dieser Zuschlag berücksichtigt das mögliche zusätzliche Kostenrisiko im Zusammenhang mit der Vorerkrankung.

3. Die Vorerkrankung wird vom Versicherungsschutz ausgeschlossen

In manchen Fällen akzeptiert der Versicherer den Antrag, schließt aber Behandlungen aus, die direkt mit der Vorerkrankung zusammenhängen. Die versicherte Person kann dann weiterhin für andere medizinische Ereignisse abgesichert sein, erhält aber keine Erstattung für Kosten, die mit der ausgeschlossenen Erkrankung verbunden sind.

Ein solcher Ausschluss kann zum Beispiel bei Erkrankungen gelten, die regelmäßige Behandlung, langfristige Medikamente oder ein erhöhtes Komplikationsrisiko mit sich bringen.

4. Der Antrag wird abgelehnt

Bei bestimmten schweren, instabilen oder kostenintensiven Erkrankungen kann der Versicherer den Antrag ablehnen. Dies hängt von der Art der Erkrankung, dem aktuellen Gesundheitszustand, dem Zielland und dem gewünschten Leistungsniveau ab.

Eine Ablehnung bedeutet nicht automatisch, dass keine Lösung möglich ist, aber sie zeigt, dass eine individuelle Prüfung notwendig sein kann.

Gibt es Alternativen bei Vorerkrankungen?

Je nach Situation können bestimmte Lösungen helfen, Versicherungsschutz zu erhalten.

Einige Versicherer arbeiten mit einem sogenannten Moratorium. Dabei werden bestimmte Vorerkrankungen zunächst nicht gedeckt, können aber nach einer festgelegten beschwerde-, behandlungs- und beratungsfreien Zeit wieder in den Versicherungsschutz aufgenommen werden. Die genauen Bedingungen unterscheiden sich je nach Vertrag.

Auch Gruppenverträge können eine Alternative sein. Internationale Unternehmen bieten ihren Mitarbeitenden häufig eine Krankenversicherung für Expats im Rahmen eines Gruppenvertrags an. Je nach Vereinbarung kann die medizinische Aufnahme dort einfacher sein als bei einem individuellen Vertrag.

Für Studierende, digitale Nomaden, Freelancer, Familien oder Weltreisende kann es ebenfalls sinnvoll sein, verschiedene internationale Tarife zu vergleichen, da Annahmeregeln und Leistungsniveaus stark variieren können.

Warum ist eine vollständige Gesundheitserklärung so wichtig?

Transparenz ist beim Abschluss einer internationalen Krankenversicherung von entscheidender Bedeutung. Wenn eine Vorerkrankung nicht angegeben wird und später Behandlungskosten entstehen, kann der Versicherer die Erstattung verweigern.

In schwerwiegenden Fällen kann der Versicherer einen rückwirkenden Ausschluss anwenden, bereits gezahlte Leistungen zurückfordern oder den Vertrag kündigen.

Um Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden, sollten Sie daher alle bekannten Krankheiten, Verletzungen, Symptome oder Behandlungen angeben, auch wenn diese bereits länger zurückliegen oder als stabil gelten.

Worauf sollten Expats bei der Wahl ihrer Versicherung achten?

Wer mit einer Vorerkrankung ins Ausland zieht, sollte nicht nur auf den Preis der Versicherung achten. Entscheidend sind vor allem die medizinische Annahmepolitik, mögliche Ausschlüsse, Wartezeiten, Höchsterstattungssummen, der Leistungsumfang und die Kosten des lokalen Gesundheitssystems.

Eine gute internationale Krankenversicherung sollte zur persönlichen Situation passen: Aufenthaltsdauer, Zielland, familiäre Situation, laufende Behandlungen, gewünschte Leistungen und mögliche Rückkehr ins Heimatland spielen dabei eine wichtige Rolle.

Vor Vertragsabschluss sollten Versicherte die Vertragsbedingungen genau prüfen und sich beraten lassen, damit sie genau wissen, was abgedeckt ist und was nicht.

FAQ: internationale Krankenversicherung Vorerkrankungen

Deckt eine internationale Krankenversicherung Vorerkrankungen ab?

Ja, aber nicht immer automatisch. Eine Vorerkrankung kann je nach medizinischer Prüfung vollständig gedeckt, ausgeschlossen, mit Beitragszuschlag akzeptiert oder abgelehnt werden.

Was ist eine Vorerkrankung in der Krankenversicherung?

Eine Vorerkrankung ist eine Krankheit, Verletzung, Beschwerde oder ein Symptom, das bereits vor Beginn des Versicherungsvertrags bestand, unabhängig davon, ob aktuell eine Behandlung erfolgt.

Muss ich meine Vorerkrankungen bei der Auslandskrankenversicherung angeben?

Ja. Alle im medizinischen Fragebogen abgefragten Erkrankungen, Behandlungen, Symptome oder Medikamente sollten vollständig und wahrheitsgemäß angegeben werden.

Was passiert, wenn ich eine Vorerkrankung nicht angebe?

Der Versicherer kann die Erstattung verweigern, einen Ausschluss anwenden, bereits gezahlte Leistungen zurückfordern oder den Vertrag kündigen, wenn relevante medizinische Informationen verschwiegen wurden.

Welche Krankenversicherung ist für Expats mit Vorerkrankungen geeignet?

Geeignet ist eine Versicherung, die eine klare medizinische Prüfung, transparente Ausschlüsse, passende Leistungen im Aufenthaltsland und Unterstützung bei laufenden oder wiederkehrenden Gesundheitsbedürfnissen bietet.

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